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Chamisso „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“

Textkommentar

Nur Kommentar

Autoren

Leistungskurs Deutsch CG

Betreuung

Eckehart Weiß

copyright

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Originaltext

Mit freundlicher Genehmigung des Directmedia Publishing Verlags,

www.digitale-bibliothek.de

 

 

Chamissos Erzählung „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ enthält Bezüge zum Leben des Dichters selbst. Die Episoden des Helden legen eine Reihe von Assoziationen zu Goethes Faust nahe. Der Vorspann vermittelt den Eindruck, als ob sich die Geschichte tatsächlich ereignet habe.

Es geht darum, dass Chamisso seinem alten Freund Peter Schlemihl, den er aus seiner Schulzeit sehr gut kannte, einen Brief schreibt und erzählt, ihn unbedingt einmal wieder treffen zu wollen, um über alte Zeiten zu reden und die Freundschaft aufzufrischen: „Ich will mich deinen Freund wie ehemals nennen (...)“

Im Verlauf des Briefes kommt Chamisso auf zwei Gestalten zu sprechen, nämlich dem „Schlauen“ und dem „Grauen“. Beide Figuren können mit Mephistopheles aus Goethes „Faust“ in Verbindung gebracht werden. Der „Graue“ hat Schlemihl seinen Schatten, und damit einen Teil seines Wesens abgekauft. Auch der „Schlaue“ hat ihm „übel mitgespielt“. Chamisso bedauert dies zu tiefst: „Mein armer, armer Freund (...)“, ist glücklicherweise selbst aber nicht davon betroffen und von den beiden Gestalten verschont worden: „Den Schatten hab ich, der mir angeboren, ich habe meinen Schatten nie verloren“.

 

Dem Schreiben an Schlemihl  folgen weitere Briefe Chamissos. Alle Briefe haben eines gemeinsam: Chamisso möchte, dass Schlemihl nicht in Vergessenheit gerät und sein Erlebtes von jedem gelesen wird.

 

Schreiben an Eduard Hitzig

Hitzig lebte von 1780-1849 und war als Jurist und Schriftsteller tätig. Zudem war er mit Chamisso befreundet und schrieb eine Biographie über ihn und ETA Hoffmann.

Im Brief geht es nun darum, dass Chamisso Hitzig an Peter Schlemihl erinnern möchte, zunächst aber bedauert, dass über diesen manchmal Witze gemacht wurden, demnach Schlemihl von anderen also, zu unrecht,  zu wenig Beachtung fand. Chamisso konnte ihn jedoch sehr gut leiden: „So wenig galt er bei Euch. – Ich hatte ihn lieb.“

Ein Rätsel für Chamisso bleibt, wer ihm „diese Blätter“ (Schlemihls Geschichte) hat zukommen lassen. Wenn man den Verlauf des Märchens kennt, wird klar, dass Peter Schlemihl selbst da gewesen sein muss, was sich aus der „schwarze(n) Kurtka“, der „botanische(n) Kugel“ und den „Pantoffeln über seine(n) Stiefel“ schließen lässt.

 

Auch Fouqué (1777-1843), ein romantischer Dichter und lebenslanger Freund Chamissos, erhält einen Brief mit ähnlicher Thematik wie der Vorangehende. Die Geschichte des Peter Schlemihl soll bewahrt und für jeden Interessierten zugänglich gemacht werden: „Ich lasse die ganze Geschichte drucken“

Ursprünglich sollte die „Schlemihlhistorie“ jedoch ein Geheimnis bleiben, in welches nur Hitzig, Fouqué, Hoffmann  und Chamisso eingeweiht waren, wie im Brief Hitzigs an Fouque klar wird. M.Th.

 

 

Kapitel 1

J.F.

Das erste Kapitel von Adelbert von Chamissos „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ beginnt mit der Ankunft des Protagonisten im Hamburger Hafen. Er kehrt offenkundig von einer langen, beschwerlichen Weltreise zurück und besucht mit einem Empfehlungsschreiben den reichen Kaufmann John.

Er bezieht ein Quartier am Hafen und macht sich auf den Weg zum Anwesen des Thomas John.

John ist ein wohlhabender Kaufmann, der die Nachricht seines Bruders aus Peter Schlemihls Händen nur kurz zur Kenntnis nimmt. John ist von einer eigenartigen Gesellschaft umgeben, die von unwichtigen Dingen wichtig, und von wichtigen Dingen leichtsinnig spricht. Peter Schlemihl wird von der Gesellschaft aufgenommen, jedoch nicht weiter beachtet. Während eines Spaziergangs im Park geschehen unglaubliche Dinge. Ein dünner grauer Mann befriedigt mühelos alle Bedürfnisse der Gesellschaft und zaubert vom Pflaster bis zum Vergnügungszelt jeden gewünschten Gegenstand aus seiner Tasche.

Peter Schlemihl folgt dem Geschehen mit Grauen und wendet sich zum Gehen. Unerwartet trifft er auf dem Nachhauseweg den grauen Mann, der ihm verschiedene märchenartige Gegenstände anbietet. Als Gegengabe verlangt er lediglich Peters Schatten. Als er Peter einen Geldsack anbietet, der nie zu leeren ist, schlägt Peter ein und begibt sich schattenlos zu seinem Quartier.

 

Ein erster Zugang zu dem Text ergibt sich über die Zeitstruktur: Das erste Kapitel umfasst eine Tag. Der Vormittag beschreibt Peters Ankunft. Der Nachmittag spielt sich in Thomas Johns Garten ab. Hierbei werden die zeitlichen Abstände feiner abgestuft. Die Begegnung mit dem Grauen spielt am späten Nachmittag.

Der Hauptort des Geschehens ist das Anwesen von John. Dort steht wiederum der Park im Mittelpunkt. Die Begegnung mit dem Grauen vollzieht sich im Verborgenen hinter einer Hecke des Hauses.

 

Deutung: Peter Schlemihl ist ein Weltreisender, der sein Glück sucht.

John ist ein wohlhabender Kapitalist voller Tatendrang, der hohes gesellschaftliches Ansehen genießt.

Die Gesellschaft, in der er lebt ist von oberflächlichen Vergnügungen geprägt. Schnelle Lustbefriedigung ist das oberste Prinzip. Die Gesellschaft ist dabei so gedankenlos, dass sie sich keinerlei Gedanken darüber macht, woher die erwünschten Gegenstände kommen.

Peter ist fasziniert und huldigt dem von John verkündeten Materialismus, dass der ein Schuft sei, der keine Million habe.

Allerdings schenkt ihm niemand Beachtung und voller Sorge sieht er allein den Grauen und beschließt zu gehen. Der Graue findet seine Beachtung, weil er das Rollenverhältnis umkehrt und sich vor Peter tief erniedrigt und damit den vom Materialismus des John geblendeten Peter in seinen Handel einwickeln kann.

Mit dem Schatten hat Peter für materielles Gut einen wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit von sich gegeben.

 

 

Kapitel II

J.D.

 

Das zweite Kapitel von Chamissos „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ zeigt Peters Leben ohne Schatten. Peter Schlemihl wird von der Jugend verspottet, von den Damen bedauert und von den männlichen Erwachsenen verachtet. So entschließt er sich Zuflucht in einem Hotel zu suchen und seinen Geldsack bis zur Erschöpfung auszuleeren und schläft später auf diesem Haufen ein. Peter Schlemihl  sucht sich Bedienstete, die ihm alle Dinge besorgen. Einem seiner Bediensteten, nämlich Bendel, der von seinem Schicksal weiß, gibt er den Auftrag den Mann mit dem grauen Mantel zu suchen und zu ihm zu bringen. Der Mann jedoch lässt ihm ausrichten, dass er ihn vor seiner Rückkehr ein Jahr lang als Außenseiter leben lässt.

 

Der zweite Abschnitt lässt sich klar strukturieren. Peter Schlemihl wird von der Gesellschaft verspottet. Er sucht sich ein Versteck und stellt Bedienstete an. Er gibt sich vorerst seinem materialistischem Rausch hin und versucht am Ende der Szene das Geschehene, nämlich den Verkauf seines Schattens, rückgängig zu machen.

 

Deutung:

Peter Schlemihl wird durch den Verkauf seines Schattens der Gesellschaft fremd.

Der scheinbar kleine Mangel stempelt ihn zum Außenseiter.

Kinder verspotten ihn mitleidlos. Sie stehen für die sozusagen natürliche Reaktion auf das Ungewöhnliche. Das Fremdartige wird durch Spott noch betont. Dem Weiblichen wird eher die Funktion des Mitleidens zugesprochen. Der überlegte Umgang mit dem Außenseitertum ist weder Spott noch Mitleid, sondern einfach Ausgrenzung, d.h. Verachtung, die hier als bewusste Form des Spotts gesehen werden könnte.

Peter fühlt sich so verbal, emotional und sozial diskriminiert und flüchtet in das Hotelzimmer. Dort sucht er Heil in einem materiellen Rausch. Er wälzt sich im Gold. Es ergibt sich aber keinerlei wohltuende Rückwirkung.

Ihm kann nur durch Humanität und Verständnis geholfen werden. Hierfür steht Bendel, der von Anfang an mit Peter Schlemihl und seiner Schattenlosigkeit zurecht kommt.

In seiner Verzweiflung sucht Peter das Geschäft rückgängig zu machen. Bendel erkennt den Grauen allerdings nicht, überbringt aber die fatale Botschaft, dass Peter ein Jahr lang mit der Schattenlosigkeit leben muss.

Damit wird ein psychologischer Prozess eingeleitet. Peter muss lernen, mit seinem schattenlosen Dasein, seinem Außenseitertum, zurecht zu kommen.

 

 

 

Kapitel 3

J.K.

Nach dem plötzlichen und unerkannten Auftauchen des grauen Mannes in Kapitel II muss nun ein Jahr und ein Tag vergehen, bis er wiederkehrt und Peter S. die Chance hat, seinen Schatten zurückzuerwerben.

Das 3. Kapitel ist somit der Anfang des einjährigen schattenlosen Daseins des Außenseiters Peter Schlemihl, der ab jetzt Spott und Verachtung wegen seinen fehlenden Schattens über sich ergehen lassen muss.

Die Selbstreflexion zu Beginn zeigt, wie sehr Peter S. seine ausweglosscheinende Situation - keinen Schatten mehr zu besitzen - bedauert „Was hülfen Flügel dem in eisernen Ketten fest Angeschmiedeten? Er müßte dennoch, und schrecklicher, verzweifeln.“  - Die „Flügel“ sind wahrscheinlich ein Symbol für den immer vollen Goldsack, der ihm jedoch nicht über den Verkauf seines Schattens hinweghilft, da sein Reichtum kein Ausgleich für die verbalen Erniedrigungen der Leute sind. Es wird gezeigt, dass ihm der materielle Goldrausch - dazu gehört auch das Suhlen im Gold, eine Art animalisches Verhalten- keine Kraft, sondern nur materielle Macht gibt (® Bezug auf die Gegenwart: Die Stellung des Geldes in unserer Gesellschaft).

Der herbeigerufene Maler, der ihm einen Schlagschatten malen soll, verspottet Peter S. ebenfalls. Daneben macht er ihn für sein Schicksal selbst verantwortlich („... - zumal wer an dem eignen angebornen Schatten so wenig fest hing,...“) und erklärt ihm die Schwierigkeit seines Problems. Als Lösung sieht er nur, dass Peter S. sich dem Leben als Sonderling fügt, also ein Leben in der Dunkelheit führt.

In seiner Verzweiflung vertraut Peter S. sich seinem treuen Begleiter Bendel an, der sich als wahrer Freund erweist und verspricht, zu ihm zu halten und ihm zu helfen, wo immer er kann. Aufgrund dieser Tatsache wagt Peter S. den Versuch der Resozialisierung, was bis zum Erlebnis mit der schönen Fanny funktioniert. Beim Spaziergang mit dem Mädchen im Mondschein jedoch - wo Bendel nicht anwesend ist- wird sein Makel entlarvt. Dies hat die Konsequenz, dass er fliehen, also die Stadt verlassen muss. Zuerst fährt er alleine mit dem redegewandten Schurken Rascal. Später folgt Bendel Peter S. und seinem Diener, nachdem er die formalen Dinge bezüglich des „Umzugs“ für Peter S. erledigt hat.

 

Die Bedeutungen der einzelnen Ereignisse und Tatsachen:

Peter S. benötigt das Gold, um seinen Fehler -nämlich das Fehlen des Schattens- verbergen zu können. Er bezahlt seinen treuen Freund Bendel dafür, dass er ihm in der Öffentlichkeit seinen Schatten „leiht“. Doch trotz der Hilfsbereitschaft des Humanisten, der ihn zuverlässig schützt, reicht er nicht aus. Ein Gegensatz muss her - Rascal, der redegewandte Schurke, der die Abgefeimtheit verkörpert.

Diese beiden Kameraden von Peter S. machen deutlich, dass er ohne ihre Hilfe bzw. Anwesenheit nicht gesellschaftsfähig werden kann. Denn als er z.B. mit der schönen Fanny eines Abends im Mondschein steht, wird sein Fehler entlarvt ® das wiederum bedeutet auch, dass er keine normale Liebe erfahren kann, womit ihm das höchste Gefühl versagt bleibt. Es wird also ein Beispiel der unerfüllbaren Liebe gezeigt.

Aufgrund seiner zahlreichen Erlebnisse beginnt er, allmählich eine Lebensphilosophie zu entwickeln: Peter S. ist gezwungen, eine künstliche Fassade aufzubauen. Er verkörpert nach außen den selbstbewussten, perfekten, aber launischen Reichen. Durch seine plötzliche Redegewandtheit versucht er, von dem Fehlen seines Schattens abzulenken. Er merkt, dass er selbstbewusst auftreten muss und sich keinesfalls dem Materialismus beugen darf. D.h. er muss zu menschlichen Werten, wie z.B. Zuversicht zurückfinden.

Er versteckt seine wahre Identität folglich hinter einer Maske. Wenn diese allerdings zusammenzubrechen droht, ergreift er sofort die Flucht, was in diesem Kapitel am Ende bewiesen wird.

Das 3. Kapitel stellt die 2. Flucht aus der Gesellschaft dar! -

 

Ein besonders auffälliges erzähltechnisches Merkmal ist der Einschub der direkten Anrede an den Briefempfänger: „Aber wozu die ganz gemeine Geschichte Dir lang und breit wiederholen? - Du selber hast sie mir oft genug von andern Ehrenleuten erzählt.“ Wenn der Leser sich bis jetzt sehr intensiv mit dem Text befasst hat, wird er vergessen, dass er eigentlich eine unbeteiligte Person ist und fühlt sich vielleicht sogar ganz persönlich angesprochen und somit ins Geschehen miteinbezogen. 

 

 

 

Kapitel 4

H.I.

Inhaltsangabe, Analyse der Erzähltechnik und Deutung

 

Nachdem Fanny Peter Schlemihls Schattenlosigkeit im Schein des Mondes erkannt hat, muss er erneut fliehen. Sein Freund und Diener Bendel bereitet alles für seinen Einzug in einem anderen Städtchen vor. Am Tage seiner Ankunft feiern die Bewohner ein großes Begrüßungsfest zu seinen Ehren. Während des Empfangs fasziniert Peter Schlemihl eine wunderschöne Frau. Er verliebt sich sofort in sie und schenkt ihr über Bendel ein Diadem. Aus Dank für den königlichen Empfang beschenkt Schlemihl das Volk und veranstaltet selbst ein Fest. Bei dieser Gelegenheit lernt er Mina, in die er sich verliebte, näher kennen.

Daneben erfährt Schlemihl, dass Rascal, sein erster Diener, ihn um sein Gold betrügt. Doch er lässt ihn gewähren. Daraufhin misst er seinen Reichtum mit dem eines anderen und veranlasst diesen schließlich die Stadt zu verlassen.

In der Zwischenzeit wächst seine Liebe zu Mina. Er kündigt sogar seinen Heiratsantrag an, doch er wartet noch auf die Ankunft des grauen Mannes. Er weiß, dass seine Verbindung zu Mina nur eine Zukunft hat, wenn er seinen Schatten zurückerhält. Aus diesem Grund setzt Peter Schlemihl all seine Hoffnung auf den grauen Mann, der versprach, ihn nach einem Jahr und einem Tag nach ihrem Vertrag aufzusuchen. Allerdings erscheint der graue Mann nicht und Peter Schlemihl verzweifelt völlig.

 

Peter Schlemihl erzählt Adelbert von Chamisso chronologisch seine Lebensgeschichte. Die Erzählung lebt von der Textsortenmischung. Der Ich-Erzähler wechselt zeitweise zum auktorialen Erzähler. Peter Schlemihl wendet sich direkt an Chamisso und kommentiert seine Situation. „Und dieser Auftritt, lieber Freund, mitten in der Sonne!“ (S. 10); „O mein guter Chamisso...“. Er reflektiert dadurch ebenfalls das Geschehene: „Ich habe in dieser Gegend viele Taugenichtse und Müßiggänger gemacht!“ (S. 11) und deutet die sich noch ereignenden Szenen voraus. So zum Beispiel die zukunftsgewisse Liebe zu Mina und ihr Ende. Daneben erwähnt er auch zukunftstungewisse Aspekte, zum Beispiel als er von dem „Fremden“ spricht. (S. 10). Der Erzähler treibt so die Handlung voran und hält die Spannung aufrecht. Darüber hinaus bricht die Erzählung in Kapitel IV, als Schlemihl einen Brief Minas an ihn für Chamisso abschreibt. Der Brief (S. 12) dient dazu, Minas Charakter näher zu beschreiben und ihre Perspektive einzubringen.

Weiterhin ist auffallend, dass sich zeitraffendes, zeitdehnendes und zeitdeckendes Erzählen  abwechseln. Auf der einen Seite überspringt Schlemihl ganze Monate und Wochen und auf der anderen Seite hebt er vor allem seine Liebe zu Mina hervor, als er mit ihr einen Dialog führt. Durch zeitdeckendes Erzählen, dass heißt, erzählte Zeit und Erzählzeit entsprechen einander, betont Schlemihl seine Liebe zu Mina.

 

Zu Beginn des IV Kapitels reflektiert Schlemihl in der Rolle des auktorialen Erzählers das Geschehene und gibt eine Vorausschau auf die zukünftigen Ereignisse. Er wird sich verlieben und seine Geliebte wieder verlieren.(„vergaff ich mich aus dem Stücke heraus in ein Paar blaue Augen,...Mina, als ich dich verlor.“;S.10).

Ferner enthält die Empfangsszenerie Kritik am Materialismus. Peter Schlemihl wird vom Volk blind empfangen. Sie hinterfragen nicht seinen Charakter, sondern sind von seinem Reichtum geblendet. Das Volk ehrt Schlemihl aufgrund seines Geldes, da sie Reichtum mit Macht verbinden. „Der Pöbel schrie Vivat unter meinem Fenster, und ich ließ doppelte Dukaten daraus regnen.“ (S. 10).

Daneben spiegelt sich das Streben des Volkes nach Geld in Minas Eltern wieder. Sie betrachten Schlemihl als ernsthaften Schwiegersohn, da er ihrer Tochter materielle Sicherheit bieten kann. („...er sprach von Mitgift, von Sicherheit, von Zukunft für sein geliebtes Kind.“;S.12)

Aber auch Peter Schlemihl selbst ist von seinem Gold abhängig. Er benötigt es, um sein schattenloses Leben zu finanzieren. Daneben glaubt er allerdings, dass auch Minas Liebe käuflich ist. Dies wird deutlich, als er ihr das Diadem schenkt. Ein solch wertvolles Geschenk ist in dieser Situation deutlich übertrieben.

Das Geld hat ferner gravierende Auswirkungen auf das Volk. Schlemihls Geldgeschenke verderben den Charakter einzelner. Sie werden zu Verbrechern, da es bequemer ist, das Geld zu stehlen, als es zu erarbeiten. Am Beispiel Rascals, der Schlemihl bestiehlt, wird Schlemihls eigene Aussage deutlich: “Ich habe in dieser Gegend viele Taugenichtse und Müßiggänger gemacht!“(S. 11).

Neben dem Aspekt des Geldes enthält das IV Kapitel die Liebesgeschichte zwischen Mina und Peter Schlemihl.

Schlemihl hat erkannt, dass das Gold ihn nicht glücklich machen kann. Er lebt einsam. („...lebt ich in meinem Haus sehr einfach und eingezogen.“; S. 11).Die Liebe zu Mina erfüllt ihn hingegen. Kein Reichtum ist in der Lage ihn so glücklich zu machen wie Mina. („..., und um der Einen willen, denn meines innerlichstes Herz war meine Liebe.“S: 11).

Darüber hinaus erinnern beide Charaktere und die Problematik ihrer Liebe an Faust. Mina und Gretchen gleichen sich sehr. Mina kann nicht verstehen, wieso sie von Schlemihl geliebt wird. Sie charakterisiert sich selbst in ihrem Brief als „schwaches, törichtes Mädchen.“. Weiterhin liebt sie Peter Schlemihl, „ganz sich aufopfernd.“(S. 11). Schlemihl liebt ähnlich wie Faust, obwohl er die Gewissheit hat, dass die Beziehung durch seine Schattenlosigkeit keine Zukunft hat. Im Gegensatz zu Faust ist Peter Schlemihl ehrlich zu Mina. Er gesteht ihr, dass er ihr etwas Folgenschweres verheimlicht. („Ich erklärte ihr, ich sei nicht das, wofür man mich anzusehen schien.“;S. 12). Weiterhin gesteht er seine tiefe, unerschütterliche Liebe.(„Unwandelbar sei nur meine Liebe.“;S. 12). Schlemihl leidet, weil er Angst hat Mina zu schaden. Er macht sich selbst große Vorwürfe.(„mich selbst scharf angeschaut, der ich,..., mit tückischer Selbstsucht diesen Engel verderbend, die eine Seele an mich gelogen und gestohlen.“;S. 12). Seine Angst erreicht ihren Höhepunkt, als er sich Mina nähert und sie zurückschreckt. Die Assoziation zu Fanny und die Furcht vor dem Erkanntwerden sind Bilder für seine panische Angst vor dem Ende seiner Beziehung zu Mina. („Hatte sie mich aber auch jetzt erkannt?...mir lag es zentnerschwer auf der Brust.“;S. 12).

Darüber hinaus will Peter Schlemihl Mina heiraten, doch er hat die Absicht vorher seinen Schatten zurückzuerhalten. Dies zeigt, dass er verantwortungsbewusst ist, und Mina nicht unglücklich machen will.(S. 12).

Als der graue Mann am verabredeten Termin nicht erscheint, verzweifelt Schlemihl völlig. Er weiß nicht, ob er, „um die Hand der Geliebten anhalten soll:“(S. 12).

 

 

Kapitel 5

H.E.

Das fünfte Kapitel handelt von drei wesentlichen Ereignissen, die sich im Verlauf  des Tages abspielen, an dem der Graue zurückkehrt. Zunächst zeigt Rascal, dass er von der Schattenlosigkeit seines Herrn weiß und kündigt. Auch der Forstmeister hat von Peter Schlemihls „Mangel“ erfahren und verweigert ihm deshalb die Hand seiner Tochter. Später kommt es zum Treffen zwischen Peter Schlemihl und dem grauen Mann.

 

Das vergebliche Warten auf den Grauen am Abend im 4. Kapitel wirkt als Spannungssteigerung, die zur Peripetie, dem fünften Kapitel, führt. Nachdem Peter Schlemihl bisher seine Schattenlosigkeit verbergen konnte, wird sie am Tag, an dem der Graue zurückkehrt, entdeckt. Bereits am Morgen dringt Rascal  gegen den Willen von Bendel in Peter Schlemihls Zimmer ein. Dort stellt sich heraus, dass er über die Schattenlosigkeit seines Herrn Bescheid weiß. Selbst mit Gold ist er nicht zum Bleiben zu überreden und kündigt, weil er einem Schattenlosen nicht dienen will.

Als Peter Schlemihl gegen Mittag Mina besuchen will, zeigt sich, dass auch die Forstmeisterfamilie informiert worden ist. Minas Vater ist nicht mehr willig, seine Tochter mit ihm zu verheiraten, da auch er in der Schattenlosigkeit eine Schande sieht. Außerdem hat auch ein anderer reicher Mann um Minas Hand angehalten. So stellt er Peter Schlemihl ein Ultimatum: Wenn er seinen Schatten nicht innerhalb von drei Tagen zurückbekommt,  wird Mina mit dem anderen verheiratet.

Ohne noch ein Wort mit Mina zu wechseln, läuft Peter Schlemihl verzweifelt in die Wälder, wo er ziellos umherirrt, bis er auf einer sonnigen Wiese vom grauen Herrn angehalten wird. Dieses Wiedersehen mit dem Grauen wirkt als Klimax, als Höhepunkt des Romans. Der Graue erklärt Peter Schlemihl, dass sich hinter dem Fremden, der um Minas Hand angehalten hat, Rascal steckt, und  bietet ihm an, den Schatten wieder dagegen umzutauschen, dass Peter Schlemihl ihm seine Seele nach dem Tod vermacht. Dieser weigert sich jedoch, den Antrag zu unterschreiben. Auch durch das Angebot, mit einer Tarnkappe zum Förstergarten zurückzukehren, um Mina zu sehen,  lässt er sich nicht zur Unterschrift überreden. Schließlich legt sich der graue Mann den Schatten an die Füße, um Peter Schlemihl durch den Anblick zu überzeugen. Doch auch dieser dritte Versuch scheitert, da Bendel zum Ende des Kapitels auf der Wiese eintrifft und den Grauen mit  einem Knüppel davon prügelt.

Deutung:

Zu Beginn des Kapitels zeigt Rascal sein wahres Wesen als gefühlloser Betrüger mit triebhaften Zügen. Seine Niedrigkeit zeigt sich, als er Peter Schlemihl sarkastisch auffordert, seinen Schatten zu zeigen: „Sie untertänigst bitten, [...] mir doch einmal ihren Schatten sehen zu lassen, - die Sonne scheint eben so schön auf dem Hofe.“ Er hat von Anfang an von  der Schattenlosigkeit Peter Schlemihls gewusst, und führt ihm sein Problem hemmungslos vor Augen. Für ihn ist ein Schattenloser eine niedere Art von Mensch, der im Gegensatz zu Ehrenhaftigkeit und Ehrlichkeit steht: „Ein Knecht kann ein sehr ehrlicher Mann sein und einem Schattenlosen nicht dienen wollen, ...“  Selbst das angebotene Gold weist er zurück, weil er sich Peter Schlemihl weit überlegen fühlt und meint etwas Besseres zu sein. „Von einem Schattenlosen nehme ich nichts an.“ Diese Frechheiten kann er sich allerdings nur erlauben, weil er das Vertrauen seines Herrn von Anfang an missbraucht und sich skrupellos aus dessen Goldbeutel bedient hat. Aus der Andeutung des grauen Mannes wird deutlich, dass er Peter Schlemihl hinter dessen Rücken betrogen hat, um sich so weit wie möglich zu bereichern und ihm Mina auszuspannen.  Der Grund für seine Betrügerei liegt also in einer Art von animalischen Konkurrenzverhalten. Das heißt, er versucht seinen äußeren Eindruck mit dem gestohlenen Geld zu verbessern, um Mina und den Vater von sich zu überzeugen und gleichzeitig den Konkurrenten zu übertrumpfen und auszuschalten, wie es eigentlich in der Tierwelt, zum Beispiel bei Hirschen oder Pfauen üblich ist.

 

Neben Rascal wird auch der Forstmeister mit seiner Familie charakterisiert. Auch er ist von Vorurteilen gegenüber dem Schattenlosen geprägt.  Die Liebe zwischen seiner Tochter und Schlemihl ist für ihn eine Schande: „... und Sie geben vor, sie zu lieben, die Sie so weit heruntergebracht haben?“   Durch den Umgang seiner Tochter mit Schlemihl sieht er ihren Ruf geschädigt. Die Gefühle der beiden sind ihm gleichgültig, denn für ihn zählt hauptsächlich der materielle Nutzen der Ehe. Mit Schlemihl als Ehemann wäre Mina zwar bis zum Lebensende versorgt gewesen, doch weil ihm Rascal das auch bieten kann, wird er vorgezogen, um den guten Ruf zu wahren. Der Charakter von Schlemihl ist für ihn unwichtig, er ist keinesfalls gewillt, einem Schattenlosen Akzeptanz entgegenzubringen. Die Reaktion Minas bleibt sehr im Hintergrund. Sie scheint zwar von dem fehlenden Schatten gewusst und ihn trotzdem geliebt zu haben, wehrt sich jedoch nicht gegen den Vater und weint nur während des ganzen Besuchs. Auch die Mutter zeigt keine Reaktion auf das Verhalten des Vaters hin. Für Schlemihl wird deutlich, dass er in dieser Welt der engen bürgerlichen Riten nicht gewünscht ist und nicht leben kann. Deshalb flüchtet er aus dem Dorf in die Wälder.

 

Die Absichten des grauen Mannes werden im fünften Kapitel vollends deutlich. Er möchte Schlemihls Schatten über einen Vertrag gegen seine Seele eintauschen: „Kraft dieser meiner Unterschrift vermache ich dem Inhaber dieses meine Seele nach ihrer natürlichen Trennung vom Leibe“.  Dazu benutzt er in drei Versuchen alle Kunst der Überredung. Schlemihl lehnt sein Angebot jedoch ab. Auch auf  den Vorschlag, mit der Tarnkappe Mina zu besuchen, geht er nicht ein, und selbst durch den Anblick seines eigenen Schattens lässt er sich nicht von seinem Beschluss abbringen. Damit stellt er seinen Begriff von Moral über seinen Wunsch, Mina zu heiraten, und zeigt äußerste Charakterstärke. Diese Stelle zeigt große Parallelen zu Goethes Faust. Faust willigte auf einen Pakt mit Mephistopheles ein,  um sich die Weltgeheimnisse zeigen zu lassen und so Zufriedenheit am Leben zu erlangen. Er war bereit, alle Grenzen zu überschreiten, selbst die zum Mephistophelischen. Peter Schlemihl erkennt jedoch die Macht des Bösen: „Er war mir von Herzensgrunde verhasst.“ und geht nicht auf den  Handel mit dem Grauen ein. So findet so eine moralische Lösung des Problems. Er verzichtet lieber auf sein Glück, das heißt auf seinen Schatten, seine Liebe und seine Hoffnung auf eine bürgerliche Existenz, als seine Seele zu verlieren.

Bendel  wird als das Gute an sich charakterisiert, als er den Grauen verjagt und so Schlemihl beschützt. Er ist in seiner Treue und Ehrlichkeit das vollkommene Gegenteil zu Rascal.

 

 

 

Kapitel 6

I.S.

Im 5.Kapitel lehnt Peter Schlemihl den Tausch ab, seinen Schatten vom Grauen zurückzubekommen und ihm dafür seine Seele auszuhändigen.. Im Folgenden versucht der Graue ihn mit vielen Tricks weiterhin zum Tausch zu bewegen, indem er ihm die Nachteile eines Schattenlosen Daseins immer wieder vor Augen führt und ihm zu seinem Schatten noch die Tarnkappe verspricht.

Im darauf folgenden Kapitel bleibt Peter verzweifelt in der öden Heide liegen, da er nicht mehr zu den Menschen zurückkehren möchte, weil diese ihn verachten, weil er keinen Schatten besitzt. Die schöne Mina erscheint ihm vor Augen, doch sieht er auch Rascal, der höhnisch lacht. Schlemihl sieht in seiner Verzweiflung keinen Ausweg mehr. Drei Tage verbringt er so draußen in der Einöde.

Diese Exposition des Wahnsinns leitet zum erregenden Moment über, als auf einer sonnigen Ebene ein herrenloser Schatten an ihm vorbeiläuft. Er sieht dies als eine Chance, wieder an einen Schatten zu gelangen. Peter glaubt, dass der Schatten an seinen Füßen kleben bleibt, wenn er in seine Spur tritt. Doch dieser läuft weg und Schlemihl ihm nach. Nach einer langen Verfolgung, welche die steigende Handlung darstellt, bleibt der Schatten stehen und gibt Schlemihl Rippenstöße, welcher sich daraufhin auf den Verfolgten stürzt, der nun spürbar wird. Peter bemächtigt sich des unsichtbaren Vogelnestes, das den Mann, nicht aber seinen Schatten unsichtbar gemacht hat und gelangt so ungesehen zum Försterhaus. Als er im Garten auf der Bank sitzt, taucht der Graue, unter seiner Tarnkappe, neben ihm auf. .Dieser will ihn weiter vom Tauschgeschäft überzeugen, indem er sich zunächst als Träger des unsichtbaren Vogelnestes erweist und es ohne weiteres zurückfordert, aber gleichzeitig anbietet. Er verstärkt sein Angebot, indem er verdeutlicht, dass Peter immer noch Mina heiraten könne. Es folgt ein Dialog von Minas Eltern, bei dem es um ihre Hochzeit mit Rascal geht. In einem Monolog versucht der Förstermeister, seine Tochter von der Vermählung zu überzeugen. Mina muss ihrem Vater gehorchen. Um seine Geliebte diesem Unglück zu entreißen soll Peter den Tauschvertrag unterschreiben, er fällt aber in eine Ohnmacht.

 

Das Kapitel beginnt mit einer Reflexionsphase Peter Schlemihls in der öden Heide. Die Heide ist ein flaches Moorgebiet, einsam und schön, was seine Stimmung unterstreicht. Er ist alleine, verzweifelt und leer und denkt über sein Elend nach. Mina, seine Geliebte, hat er an Rascal, seinen ehemaligen betrügerischen Diener verloren. Dieser kann nur wegen seines gestohlenen Reichtums um Minas Hand anhalten. Peter kann Mina nicht mehr zur Frau bekommen, da er seinen Schatten nicht zurückerhalten hat. Sein Leben liegt vor dem Ruin. Schlemihl denkt darüber nach, ob er nicht doch den Tausch mit dem Grauen eingehen oder ob er sich mit seiner Schattenlosigkeit zurechtfinden soll. Drei Tage verbringt er alleine in der Einöde. Dies erinnert an eine Geschichte Jesu, der 40 Tage in der Wüste verbrachte, um dort zu fasten und sich zu besinnen. Schlemihl leidet zusätzlich unter Wahnvorstellungen, als ihm die weinende Mina und der höhnend lachende Rascal erscheinen.

 

Als Schlemihl einen Schatten ohne Herrn erblickt, ist dieser seine letzte Hoffnung. Er verfolgt diesen wie ein Verrückter und ist bereit, für einen Schatten auch ein Verbrechen zu begehen, wenn er dabei nur seine Seele behalten kann. Da der Besitzer des Schattens bei der Prügelei das unsichtbare Vogelnest verliert, eignet sich Schlemihl das Nest an. Peter besitzt keinen Schatten und wird daher völlig unsichtbar. Durch diesen Raub hat er sich eine neue Existenzmöglichkeit bei den Menschen geschaffen. Er hat einen idealen Zustand erreicht, in dem er ungesehen wirken kann. Doch dieses Treffen mit dem Mann ist kein Glück oder Zufall, sondern ein Spiel des Grauen. Dieser will ihn zum Tausch überreden, indem er Peters Begierde, an seinen Schatten zu gelangen, weckt.

   Als Peter im Förstergarten ankommt hört er Geräusche neben sich. Diese gehen vom Grauen aus, der Schlemihl unsichtbar unter seiner Tarnkappe begleitet. Für Peter wird der Merkwürdige erst sichtbar, nachdem er Schlemihl mit unter seine Kappe genommen hat. Das Vogelnest nimmt er ihm daraufhin wieder ab. Auch der Weg zum Garten ist ein weiterer Plan des Grauen. Er nutzt die wahre Liebe von Peter zu Mina aus. Die verzweifelte Mina und ihre Hochzeit mit Rascal soll in Peter Mitleid wecken. Zusätzlich zu der Möglichkeit sie zur Frau nehmen zu können, bietet der Graue ihm die Tarnkappe. Unsichtbar sitzen sie auf der Bank, die beiden Schatten an ihren Füßen und verfolgen das Geschehen im Förstergarten. Mina weint, weil sie Rascal, einen Betrüger, heiraten soll, obwohl sie Peter liebt. Ihre Liebe spielt keine Rolle, sie wird vermarktet wie eine Sache, nur um des Geldes Willen. Hier wird die Kritik am Materialismus deutlich. Es stellt sich die moralische Frage, ob ein unmoralischer Schurke mit Schatten etwas besseres ist als ein aufrichtiger Mensch ohne Schatten.  In einem Dialog zwischen Minas Mutter und Vater werden deren Standpunkte verdeutlicht. Ihr Vater zwingt sie zur Hochzeit, er verkauft sie für viel Geld und achtet nicht auf Minas Gefühle. Ihre Mutter ist zweifelnd, sie erkennt, dass Rascal ein Betrüger ist.

In einem darauffolgenden Monolog versucht der Förstermeister, die weinende Mina von ihrer Hochzeit zu überzeugen, indem er ihr ein sorgenfreies Leben mit einem großen Vermögen verspricht.

Mina ist alles völlig gleichgültig, da ihre wahre Liebe zu Peter gescheitert ist. „Geschehe mit mir was mein Vater will.“ Zum Schluss erhofft der Graue endlich zu seiner Unterschrift zu gelangen, nachdem Peter seine traurige Geliebte gesehen hat. Dieser entkommt Schlemihl jedoch durch eine plötzlich eintretende Ohnmacht, wie man im nächsten Kapitel erfährt.

 

 

 

Kapitel 7

H.A.

Thomas Mann über Adalbert Chamisso`s Werk „Peter Schlemhils wundersame Geschichte“: „ >> Zunächst: man hat den Schlemhil< ein Märchen, ja, indem man sich auf des Dichters lässige Erklärung berief, er habe ihn für die Kinder eines Freundes geschrieben, sogar ein Kindermärchen genannt. Er ist es nicht..... Ganz realistisch und bürgerlich hebt die Erzählung an, und die eigentliche Kunstleistung des Verfassers besteht darin, daß er die realistisch- bürgerliche Allüre bis ans Ende und beim Vortrage auch der fabelhaftesten Begebnisse mit aller Genauigkeit festzuhalten weiß.<<   Das Märchen handelt von einem Reisenden, der aus Gewinnstreben seinen Schatten an einen Mann verkauft und wie er versucht das schattenlose Dasein zu überwinden, indem er den Handel rückgängig machen will. Der Mann jedoch geht nicht darauf ein, sondern bietet ihm ein weiteres Geschäft an. Falls Schlemihl ihm seine Seele gibt könne er seine Schatten wieder haben. Doch Schlemihl geht nicht auf das Angebot ein, sondern bevorzugt ein Leben ohne Schatten. Das Besondere an diesem Werk ist, dass es durch Authentizität geprägt ist. Durch die Briefe als Vorspann und durch die fiktive Gestalt Schlemihl könnte man meinen, dass dieses Märchen real ist.

       Das siebte Kapitel lässt sich in drei Hauptabsätze gliedern, die wiederum in mehrere Sinnabschnitte unterteilbar sind. Im ersten Hauptabsatz lässt er das ganze, vorhergehende Geschehen noch einmal Revue passieren und beurteilt sein Handeln. Die Reflexion endet, indem er aus seiner Ohnmacht erwacht. Der Zweite ist geprägt von der Unterhaltung mit dem Grauen. Dieser ist verärgert, weil er durch die Ohnmacht von Schlemihl, seine erfolgsversprechende  Ausgangsposition verloren hat. Denn er kann nun Mina nicht mehr als Druckmittel verwenden, da sie Rascal geheiratet hat. Er gibt aber wegen diesem Rückschlag, sein Vorhaben die Seele von Peter zu besitzen, nicht auf. Der dritte Hauptabschnitt handelt von der Rückkehr Schlemihls, vom Garten zurück zu seinem Haus, welches er völlig zerstört und verlassen vorfindet. Nur sein treuer Begleiter Bendel wartet auf ihn und ist über dessen Wiederkehr voller Freude. Nachdem er ihm das Vorgefallene erzählt hat entscheidet Schlemihl abermals zu flüchten, er lässt jedoch Bendel mit seinem restlichen Vermögen zurück.

 

                     In diesem Kapitel gibt es erzähltechnische Besonderheiten. Eine davon findet man im ersten Hauptabschnitt, wie es Chamisso gelingt einen besonderen Autorenkommentar in den Text einzubauen. Denn durch den fiktiven auktorialen Erzähler, Peter Schlemihl, liefert er einen Rück –beziehungsweise einen Einblick in dessen momentane Situation. Er ist melancholisch und traurig über das Geschehene. So lässt der Gegenautor der ihn direkt wie in einem Brief anspricht und seine Meinung fordert, eine gewisse Vorausdeutung über das Ende der Erzählung zu. „Denke nicht so niedrig von mir, mein Adelbert (...).“ Schlemihl tritt in diesem Teil als ein allwissender Erzähler auf, dies zeigt sich durch die Briefform, durch die verfestigt wird, dass Schlemihl das Ende schon erlebt und sein Problem  bereits gelöst hat. Die Frage nach dem Wie bleibt aber weiterhin noch  ungeklärt.

Den weiteren Fortgang im Text löst Chamisso genauso elegant wie seinen Einschub, denn er muss nun von Peters Rückblick eine Überleitung zur Handlung aufbauen. Dies gelingt ihm in dem er das vorherige Kapitel nochmals kurz beschreibt und erklärt wieso Peter in Ohnmacht fiel. Im zweiten Abschnitt ist der Monolog des Grauen erwähnenswert, es dreht sich in diesem Abschnitt zu Beginn alles um die wörtliche Rede. Mit der die Stimmung des Grauen betont wird. „Heißt das nicht wie ein altes Weib sich aufführen! - Man raffe sich auf und vollziehe frisch, was man beschlossen, oder hat man sich anders besonnen und will lieber greinen?“ Es zeigt sich der Ärger des Grauen, doch stehen seine Beschimpfungen im Kontrast mit dem Erzählenden, denn zur gleichen Zeit dringt aus dem Försterhaus festliche Musik. Im Schlussteil dieses Absatzes steht weiterhin die wörtliche Rede im Vordergrund und seine informierende Rolle. „(...) wir sind doch unzertrennlich. Sie haben mein Gold und ich ihren Schatten; das läßt uns beide keine Ruhe. - Hat man je gehört, daß ein Schatten von seinem Herrn gelassen hätte? Ihrer zieht mich Ihnen nach, bis Sie ihn wieder zu Gnaden annehmen und ich ihn los bin.(....) man entgeht seinem Schicksale nicht.“ Durch diese Rede preist er ihm seine Vorzüge und will Peter klar machen, dass es keine andere Lösung gibt als auf das Geschäft einzugehen. Er denkt er ist weiterhin im Vorteil, weil Schlemihl ihn braucht und sie beide verbunden sind. Zu erwähnen ist noch der Ortswechsel, der unmittelbar mit dem Monolog verbunden ist. Durch diesen Wechsel wird vor allem die Handlung voran getrieben. Im letzen Abschnitt ist die indirekte Rede Bendels auffällig. Dadurch wird ein Rückblick aus seinen Augen geliefert. Zeitlich gesehen findet hier eine Zeitraffung statt, denn er erzählt die letzten vier Tage.

 

Neben der Erzähltechnik ist die Sprache dieses Kapitels sehr gut gewählt. Die Bedeutung und den Wert den Chamisso in den ersten Abschnitt legt, um den Appellcharakter beziehungsweise die Selbstreflexion auszudrücken, zeigt sich durch die große Anzahl von Metaphern in diesem Teil. So sagt zum Beispiel „quälender Wurm“ und „Schleicher auf krummen Wegen“ viel über Schlemihls Meinung über den Grauen aus den er bis auf den Tod nicht ausstehen kann. Weiterhin wird durch die Metaphern das Vorangehende bewertet und die Rückblendungen verdichtet. Durch sein „Frage und Antwortspiel“ wird das Kernproblem bekannt. Im zweiten Abschnitt ist die Reihung und Aufzählung von Bildern auffällig „Es war später Abend...“ Sie sollen den Kontrast zwischen dem Befinden des Grauen und der festlichen Stimmung ausdrücken. Dass auf der einen Seite die Feierlichkeiten und die Zufriedenheit steht und auf der anderen Seite die daraus resultierende Unzufriedenheit. Der letzte Abschnitt ist sprachlich einfach gebaut und wenig auffällig. Doch kann man die Stimmung Schlemihls auch durch das zerstörte Haus beschreiben, welches demoliert und vom Dienervolk allein gelassen wurde.

Die Selbstreflexion im ersten Hauptteil, liefert eine Vorausdeutung auf das kommende Geschehen. Denn durch den Rückblick, in dem er seine Traurigkeit schildert und auch seine Unzufriedenheit mit der momentanen Situation, lässt sich darauf schließen, dass es entweder einen Wandel in seiner Persönlichkeit oder im Ursprung des Problems geben muss. In Anbetracht dessen, dass der Graue, den er als „quälenden Wurm“ beschreibt,  seine Forderung nach der Seele Schlemihls nicht zurückzieht und weiterhin auf das Geschäft beharrt. Wird sich Peter in seiner Einstellung zum schattenlosen Dasein umstellen müssen. Er muss sich damit auseinandersetzen und die Kritik der Gesellschaft ertragen, damit er ein „normales Leben“ führen kann. Doch für ein lohnendes Leben ist es noch nicht zu spät. Zwar hat er seinen Schatten verloren, doch ist dieser etwas belangloseres als die Seele. Zwar könnte er meinen, dass ihm dies nicht störe und er darauf verzichten könne, doch wäre ihm damit das normale Leben verwehrt, denn die Gedanken an den Tod und dem Leben danach könnten ihn vollkommen aus der Bahn werfen. Doch tröstet er sich selbst, weil er davon ausgeht, dass alles was geschah Schicksal war „ Dann hab ich auch diese Notwendigkeit als eine weise Fügung verehren lernen, die durch das gesamte große Getrieb wehrt, darin wir bloß als mitwirkende , getriebene treibende Räder eingreifen; was sein soll , muss geschehen, was sein sollte , geschah, und nicht ohne jede Fügung(...)“ Dies zeigt, dass er sich mit seinem Problem auseinandersetzt und nicht die so oft verwendete Frage stellt: „Wieso mußte mir gerade das geschehen!“ Er glaubt an Schicksal und somit indirekt an Gott, dem er seine Rettung durch die Ohnmacht in die er viel zuordnet. Der zweite Hauptabschnitt ist geprägt vom Grauen, dieser ist über die Bewusstlosigkeit Schlemihls sehr entsetzt und reagiert bösartig und wütend darauf, denn er hat die beste Gelegenheit, um Peter zur Unterschrift zu bewegen nicht nutzen können. „Heißt das nicht wie ein altes Weib sich aufführen! - Man raffe sich auf und vollziehe frisch, was man beschlossen, oder hat man sich anders besonnen und will lieber greinen?“ Der Graue befindet sich nun auf dem absteigenden Ast und Schlemihl ist ihm zum ersten mal überlegen. In diesem Abschnitt in dem Peter emotional an seinem Tiefpunkt angelangt ist, da er Mina nicht für sich gewinnen hat können zeigt sich wieder, dass er einem Wandel in seiner Persönlichkeit bevorsteht, denn er will sich vom Grauen lossagen. „Ich streifte mit der Hand die Tarnkappe des sogleich verschwindenden Unbekannten von meinem Haupte weg und eilte stillschweigend, in die tiefste Nacht (...) dem Ausgange des Garten zu.“ Dadurch dass er die Tarnkappe links liegen lässt und aufbricht deutet sich an , dass er im Grunde schon eine Entscheidung gefällt hat. Der Einzige der ihn noch daran zu verhindern versucht, ist der Graue, welcher ihn auf dem ganzen Weg zurück zu seinem Haus einem regelrechten Psychoterror aussetzt. Er lässt Peter nicht einen einzigen eigenen Gedanken auffassen „Ich konnte zu keinem eigenen Gedanken kommen.“ Der Graue preist ihm seine Vorzüge und erklärt ihm das es sowieso keine andere Lösung gibt, als auf das Geschäft einzugehen. Als sie jedoch bei seinem Haus ankommen, verabschiedet er sich für diesen Tag. Er geht aber nicht bevor er noch einige Sticheleien an Peters Kopf geworfen hat. „ Ja, Ja, so geht‘s(...)“ In diesem Abschnitt wird die Gesellschaftskritik beziehungsweise die Materialismuskritik besonders deutlich. In guten Zeiten hat man viele Sympathisanten an seiner Seite, die alle etwas vom Kuchen bekommen wollen. In den Schlechten, zeigen sich jedoch die wahren Freunde, welche schwer zu finden sind. Dies wird bewiesen durch das Dienervolk, welches das Haus zurück gelassen haben. Weiterhin wird einem der Fluch des Geldes deutlich, man kann mit Geld alles zerstören ohne dass der Urheber etwas zu fürchten hat. Denn nicht nur der Pöbel lässt sich vom Geld blenden. Auch die Behörden und das normale Volk lassen sich gerne auf das mögliche „schnelle Geld“ ein. So ist in jeder Gesellschaft heutzutage schwierig einen solchen Freund zu finden wie Bendel es ist. Im letzen Abschnitt wird der Wandel der sich schon vorher abgezeichnet hat vollzogen. Denn nachdem er sich von Bendel alles erzählen hat lassen und er sich bei ihm ausgeweint hat, befiehlt er ihm er solle zurückbleiben. Durch diese Trennung wird klar, dass er nun sein Schicksal alleine in die Hand nimmt. Der Schluss des Kapitels scheint so als würde er sein Testament machen, er gibt ihm genau auf was er zu tun hat. Im Grunde hat er das nötige Extrem, das für ein normales Leben für ihn besonders wichtig war geschaffen. Er beendet alles und fängt ein neues Leben an . Der Konflikt ist nun für ihn beendet und er weiß jetzt worauf es ankommt. Er darf keinen anderen in sein Schicksal mit hineinziehen.

 

 

 

Kapitel 8

K.R.

Kapitel VIII handelt vom letzten Verführungsversuch des grauen Mannes, doch noch Schlemihls Seele im Tausch gegen die Rückgabe des Schattens zu erhalten. Dieser Moment der letzten Spannung wird durch die endgültige Loslösung Schlemihls vom Grauen gelöst. Das Kapitel ist steigernd aufgebaut und unterteilt sich in den Autorenkommentar zu Beginn, die sich steigernde Auseinandersetzung mit dem Grauen und dem Höhepunkt, der endgültigen Trennung Peter Schlemihls von dem Einfluss des Grauen.

Der Anfang führt den Aufbruch Peters in ein neues Leben fort. In einer auktorialen Erzählkommentar zeigt sich Peter beeindruckt von den philosophischen Spekulationen, die ein Begleiter auf dem Weg in die unklare Ferne anstellt.

Der zweite Abschnitt beginnt, als sich der unbekannte Begleiter als der graue Mann entpuppt, der sich dann sofort in einem Monolog mit seinem letzten Verführungsversuch beginnt, indem er sich Peter als Diener unterwirft und ihm seinen Schatten als Leihgabe gibt. Ein illegaler Fluchtversuch Peters mit dem Schatten scheitert und so erfährt Schlemihl durch den Grauen über einen längeren Zeitraum hinweg noch einmal die Vorzüge des Reichtums.

Zur entscheidenden Wende kommt es dann in der Höhle, als ihm der Graue im Moment der letzten Spannung den Tausch nochmals schmackhaft machen möchte. Schlemihl ist schockiert von der sprechenden Leiche des Herrn John und löst sich durch das Wegwerfen des Goldsäckels endgültig vom Grauen.

 

Erörterte Deutungspunkte:

Im auktorialen Erzählkommentar zu Beginn des Kapitels zeigt sich Peters Verstand gefesselt von dem rationalen Gebäude, dass der ihm anscheinend Unbekannte vor Augen führt: „Nun schien mir dieser Redekünstler mit großem Talent ein fest gefügtes Gebäude aufzuführen, ...“. Für Peter persönlich hat aber diese philosophische Spekulation keine große Bedeutung, er ist vielmehr ein Pragmatiker, der sich auf sein Gefühl, welches auf seinen Erfahrungen fußt verläßt: „..., meinem geraden Sinn vertrauend [...] so ward es mir zu einem bloßen Kunstwerk...“.

Im darauffolgenden Monolog des grauen Mannes zwingt er Schlemihl dazu, auf das Angebot des Leihschattens einzugehen: „Ich sehe sie schon vor der aufgehenden Sonne erblassen.“

Hiermit beginnt der letzte Verführungsversuch, der auch die Dienerschaft des Grauen beinhaltet. Der Fluchtversuch Schlemihls erfreut den Grauen, da er beweist, dass Peter sogar illegal handeln würde. Der Graue nutzt Peters Scheitern, um ihm die Unausweichlichkeit wieder vor Augen zu führen, dass der Tausch nur gegen die Seele möglich ist: „Ich halte sie am Schatten fest, und sie kommen mir nicht los.“

Peter Schlemihl erfährt daraufhin noch einmal seine alte Macht, die sein Geld ihm verschafft: „...es fanden sich bei mir alle Bequemlichkeiten des Lebens und selbst ihre Pracht wieder ein;“ doch erkennt er diesmal den Verlust der Menschlichkeit, den dieser äußere Schein mit sich bringt: „...aber ich hatte den Tod im Herzen.“ Die Abneigung, die Schlemihl entwickelt, konzentriert er ganz auf den Grauen und seine Abhängigkeit von ihm schürt seinen Hass: „Er war mir ebenso lästig als verhaßt.“ Er kommt zu dem Schluss, dem Grauen niemals Genugtuung zu geben: „...wollt ich meine Seele nicht, sei es um alle Schatten der Welt, dieser Kreatur verschreiben.“

In der Höhle kommt es dann zum entscheidenden Dialog, in dem der Graue zunächst seine Macht spielen lässt und den Schatten als Druckmittel verwendet: „Wenn sie befehlen, so pack ich ein.“ Der Graue forciert seine Argumentation und gibt sogar seine Trickspielerei zu, die gegen die moralischen Vorstellungen Schlemihls spricht. Diese Unehrlichkeit ist für ihn ein Mittel zum Zweck: „Ich denke in der Tat nicht so streng als sie; ich handle bloß, wie sie denken.“ Als der Graue die Leiche des toten Herrn John sprechen lässt und damit Gott lästert, erkennt Peter endlich die wahre Gestalt des Grauen, nämlich den Satan, den Herrn der Toten: „So beschwör ich dich im Namen Gottes, Entsetzlicher!“ Der weggeworfene Säckel steht symbolisch für die Loslösung, da damit seine Bindung an den Teufel verfällt und jegliche Verpflichtung ihm gegenüber erloschen ist.

 

 

Zu den ausklingenden Kapiteln 9,10,11 wurden keine Inhaltsangaben und Deutungen geschrieben.